Ein Teil der „Rheinlandsektion“ der Erich Kästner-Gesellschaft hat gestern einen abendlichen Ausflug nach Bonefeld bei Rengsdorf im Westerwald gemacht, um im dortigen Festsaal des Deichwiesenhofs eine Aufführung der Drei Männer im Schnee zu sehen. Uns dreien war klar, dass es sich bei der Theatergruppe wohl um eine Laienspielgruppe handeln würde und wir waren gespannt, wie gut uns deren Gestaltung dieses Kästner-Stoffes gefallen würde, der ja mit seinen schrulligen Charakteren seiner Verwechslungsdynamik und seinem Happy End wie ein dankbarer Stoff daherkommt, aber eben doch einer guten Regieführung und eines fein abgestimmten Timings bedarf, um wirklich gut zu unterhalten.
Um es vorwegzunehmen: Genau das ist der Rengsdorfer Truppe unter der Regie ihres Vorsitzenden Frank Reinhardt sehr gut gelungen. Wir – und mit uns die circa 180 anderen Gäste im Publikum – hatten einen lustigen Abend, an dem wir fast 3 Stunden lang richtig gut unterhalten wurden.
Bereits in der ersten Szene, spätestens aber mit dem energiegeladenen ersten Auftritt von Eduard Tobler, wurde klar, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht nur textsicher waren, sondern sich wirklich in ihren Rollen zu Hause fühlten. So gestalteten sie die Dialoge temporeich und durchaus nuanciert. Allein schon an der Mimik des in die Rolle des reichen Schifffahrtslinienbesitzers gedrängten Johann waren seine Überforderung mit dieser Aufgabe, seine Sorge um den vom Hotelpersonal gepiesakten Herrn Geheimrat und seine Bestürzung über das Auftauchen von Hilde und Tante Julchen abzulesen und sorgten beim begeisterten Publikum immer wieder für laute Lacher.
Auch die Bühnenpräsenz der beiden Darstellerinnen von Frau Casparius und Frau von Mallebré war eindrucksvoll: Mit welcher Begeisterung sie ihren gegenseitigen Kleinkrieg in der Rivalität um den „kleinen Millionär“ ausspielten und wie sie jeweils ihre Annäherung an Hagedorn – immer wieder am Rand zur Karikatur – genießerisch zelebrierten, lässt auf langjährige Erfahrung auf der Bühne schließen.